Lichttherapie im Fokus: Sind Lichttherapiebrillen die Revolution für Ihre Wintermorgen?

Der Winter hält Einzug – und mit ihm der bekannte „Winterblues“, anhaltende Müdigkeit oder sogar der belastende Jetlag. Die Lichttherapie ist eine anerkannte Lösung, doch die Vorstellung, jeden Morgen 20 bis 30 Minuten regungslos vor einer Lampe zu sitzen, ist nicht immer praktisch. Was wäre, wenn die Lösung in einer einfachen Brille läge?

150 Aufrufe

Audiobeitrag bei „On en parle“, RTS

Das Radiomagazin „On en parle“ des Schweizer Senders RTS hat sich mit diesem Thema beschäftigt und Fachärzte aus den Bereichen Psychiatrie und Augenheilkunde dazu befragt, was sie von Lichttherapiebrillen im Vergleich zu klassischen Lampen halten. Die Sendung auf Französich kann hier erneut angehört werden. Nachfolgend finden Sie eine Zusammenfassung dieses Radiobeitrags.

Lichttherapiebrillen: Praktisch und sicher zugleich

Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihre Lichttherapie durchführen, während Sie Kaffee zubereiten, E-Mails lesen oder sich anziehen. Genau das versprechen Lichttherapiebrillen! Sie funktionieren nach demselben Prinzip wie herkömmliche Lichttherapielampen, werden jedoch einfach auf der Nase getragen und richten ein sanftes Licht auf die Augen. Ein etwas futuristischer Look vielleicht – aber dafür mehr Freiheit am Morgen.

Doch sind sie sicher? Laut Anastasia Foa, Assistenzärztin am Augenkrankenhaus Jules-Gonin in Lausanne, gelten diese Brillen grundsätzlich als sicher. Das ausgestrahlte Licht ist weniger intensiv als bei Lampen, doch die Nähe zu den Augen gleicht diesen Unterschied aus. Bei bestehenden Augenerkrankungen wird dennoch empfohlen, ärztlichen Rat einzuholen.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Geräte häufig als Wellness-Produkte vermarktet werden, die gegen Winterblues oder Müdigkeit helfen sollen, und nicht als medizinische Geräte zur Behandlung saisonaler Depressionen. Dennoch empfehlen manche Psychiater sie ihren Patienten.

Unsere Produkte zu diesem Tipp

Die Meinung von Dr. Marcus Rosenhagen, Psychiater und Spezialist für Lichttherapie

Marcus Rosenhagen, Psychiater bei Almaval in Crissier, bestätigt die Wirksamkeit dieser Brillen. Durch ihre Nähe zu den Augen erreichen sie eine vergleichbare Wirkung wie klassische Lampen, auch wenn ihre Lux-Leistung geringer ist. Sie stellen insbesondere für Menschen, die nur schwer stillsitzen können, eine hervorragende Alternative dar.

Bei einem einfachen Winterblues können Lichttherapiebrillen ausreichend sein. Im Fall einer saisonalen affektiven Störung (der medizinische Begriff für Winterdepression) ist jedoch eine Konsultation bei einem Hausarzt oder Psychiater unerlässlich. Die Behandlung kann dann Lichttherapie, Psychotherapie und gegebenenfalls Medikamente kombinieren.

Das Geheimnis der Lichttherapie? Weißes Licht ohne UV-Strahlen dringt über die Augen ein und hemmt die Produktion von Melatonin, dem Schlafhormon. Dieser Mechanismus hilft dabei, Tagesmüdigkeit zu bekämpfen und neue Energie zu gewinnen.

Welche Kosten übernimmt die Krankenversicherung?

Auch wenn Lichttherapie in der Schweiz teilweise von der Grundversicherung übernommen werden kann, sind nicht alle Modelle anerkannt. Brillen wie die Luminette oder die Sunactiv von Dayvia werden in der Regel nicht erstattet. Klassische Lampen, die auf einem Tisch platziert werden, können hingegen teilweise übernommen werden (bis zu 301.10 CHF im Jahr 2026), vorausgesetzt, es liegt ein ärztliches Rezept für eine 10’000-Lux-Lampe zur Behandlung einer saisonalen Depression vor.

Das Angebot an Lampen ist groß, und es ist wichtig darauf zu achten, dass das gewählte Produkt eine Lichtintensität von 10’000 Lux bei einem Mindestabstand von 30 cm erreicht. Die Geräte kosten in der Schweiz durchschnittlich zwischen 150 und 400 CHF (Richtpreise). Der Kauf sollte in einer Apotheke oder auf einer von den Krankenkassen anerkannten Schweizer Website erfolgen. Beliebte Plattformen wie Amazon stellen keine Rechnungen aus, die vom Schweizer Gesundheitssystem anerkannt werden.

Diese Produkte könnten Sie auch interessieren...

Welche Unterschiede bestehen bei der Lichtintensität dieser LED-Modelle?

Ein Gerät, das vor dem Benutzer aufgestellt wird, sollte in der Regel eine Lichtintensität von 10’000 Lux bei mindestens 30 cm Abstand abgeben. Eine Lichttherapiebrille erzeugt im Allgemeinen 1’000 bis 1’500 Lux an der Hornhaut (zum Beispiel 1’500 Lux bei der Luminette). Da bereits eine Lichtintensität ab 1’000 bis 2’000 Lux ausreicht, um die biologische Uhr wirksam zu regulieren, bleiben Lichttherapiebrillen interessant und können Symptome leichter Stimmungs- oder Schlafstörungen lindern.

Die richtige Wahl zwischen Lichttherapielampe und Lichttherapiebrille

Die therapeutischen Kriterien für eine erfolgreiche Behandlung

Ohne ärztliche Verschreibung stellt sich oft die Frage: „Soll ich eine Lichttherapiebrille oder eine klassische Lampe für den Tisch oder Schreibtisch wählen?“ Der Erfolg einer Lichttherapie basiert auf drei wesentlichen Kriterien:

Der richtige Zeitpunkt (Zeitpunkt der Sitzung): Idealerweise erfolgt die Anwendung morgens kurz nach dem Aufwachen, um die biologische Uhr nach vorne zu verschieben.

Die erhaltene Lichtintensität: Sie hängt vom Gerät, vom Abstand sowie von der Einhaltung der Herstellerempfehlungen ab.

Die Dauer der Anwendung: In der Regel zwischen 20 und 30 Minuten täglich bei einem Standardprotokoll mit 10’000 Lux.

Regelmäßigkeit und Alltagstauglichkeit im Fokus

Wenn es nicht möglich ist, sich morgens regelmäßig vor eine Lampe zu setzen – sei es aus Zeitmangel zu Hause oder weil sie nicht mit ins Büro genommen werden kann –, können Lichttherapiebrillen eine praktische und wirksame Alternative sein, um eine regelmäßige Lichttherapie-Routine sicherzustellen. Sie ermöglichen es, aktiv zu bleiben und gleichzeitig von den positiven Effekten des Lichts zu profitieren.

Fazit: Lampe oder Lichttherapiebrille – was wählen?

Es gibt bislang keine wissenschaftlich bestätigten Studien, die die Wirkung einer Lampe und einer Lichttherapiebrille bei Stimmungsstörungen wie saisonaler Depression direkt verglichen haben. Die Wahl zwischen beiden Lösungen hängt daher in erster Linie von der persönlichen Situation ab.

Eine Lichttherapielampe wird empfohlen, wenn:

  • die Person Zeit hat, sich jeden Morgen zu Hause oder im Büro hinzusetzen
  • die Symptome stark ausgeprägt sind
  • eine diagnostizierte saisonale affektive Störung bzw. Winterdepression vorliegt, die eine hohe und klinisch validierte Lichtdosierung erfordert.

Lichttherapiebrillen können geeignet sein, wenn:

  • eine sitzende Anwendung morgens aufgrund von Zeitmangel oder Mobilitätsbedarf nicht möglich ist
  • die saisonalen Beschwerden leicht bis moderat sind, wie Winterblues, saisonale Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Motivationsmangel.

Es ist wichtig zu betonen, dass Lichttherapiebrillen im Allgemeinen als Wellness-Produkte vermarktet werden, während einige Lampen als Medizinprodukte zur Behandlung saisonaler affektiver Störungen zertifiziert sind (CE-Kennzeichnung mit vier Ziffern).

Wissenschaftlicher Überblick: Was sagt die Forschung?

Verfügbare Vergleichsstudien zeigen, dass Lichttherapiebrillen in bestimmten Situationen – etwa bei Schlafmangel – ähnliche Effekte wie Lampen auf Wachheit, kognitive Leistungsfähigkeit oder subjektive Schlafqualität erzielen können. Eine 2018 bei Hogrefe e-content veröffentlichte Studie zeigte einen vergleichbaren Effekt auf depressive Symptome bei 39 Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren. Allerdings existiert bislang keine detaillierte Forschung, die die Wirksamkeit beider Lösungen speziell bei saisonaler Depression miteinander vergleicht.

Lichttherapielampen verfügen über eine breitere wissenschaftliche Grundlage, insbesondere bei der Behandlung saisonaler affektiver Störungen. Randomisierte kontrollierte Studien sind für Lampen zahlreicher vorhanden als für Brillen.

Auch unabhängig vom Vergleich mit klassischen Lampen haben Lichttherapiebrillen in zahlreichen Studien positive Effekte gezeigt – unter anderem bei allgemeiner Müdigkeit, krebsbedingter Erschöpfung, zirkadianen Schlafstörungen, Alzheimer, sportlicher Leistungsfähigkeit oder Jetlag.

Wissenschaftliche Ressourcen

  • Wirz-Justice A. et al. (2019). Light therapy in sleep deprivation settings. Scientific Reports. (PMC6889287)
  • Klinische Studie veröffentlicht bei Hogrefe (2019). Vergleich verschiedener Lichttherapieformen.
  • Center for Environmental Therapeutics (CET). Do Light Goggles or Light Therapy Glasses Work?
  • CET. AYO Circadian Light Therapy Glasses – Scientific Studies.

Was this tip helpful to you ?

Zögern Sie nicht, es in sozialen Netzwerken zu teilen